Jenny Bowker im Porträt

Jenny Bowker im Porträt

Quiltkünstlerin aus Australien
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Die Australierin Jenny Bowker ist nicht nur Quiltkünstlerin, gefragte Jurorin bei Quiltwettbewerben oder Autorin, sondern sie reist auch als Quiltlehrerin rund um die Welt. Als Ehefrau eines Diplomaten verbrachte sie viele Jahre im Mittleren Osten. Während dieser Zeit studierte sie zuerst Malerei bei einem Künstler in Palästina, gefolgt von einem vierjährigen Studium in den Bildenden Künsten, das sie mit höchster Auszeichnung 1997 an der Australischen Nationaluniversität abschloss. Gerade als sie das Studium beenden wollte, wurde ihr Mann nach Gaza versetzt, wo er mit Palästinensern arbeitete. Jenny und die Kinder konnten erst 6 Monate später nachkommen. In dieser Zeit nähte sie einen Quilt rein zu ihrem eigenen Vergnügen und stellte dabei fest, dass man alles, was man mit Farben ausdrücken kann, auch in Stoff arbeiten kann. Stoffe sind viel besser zu verarbeiten, fühlen sich herrlich an und auch deren Farben scheinen frischer und klarer. Man muss aber präzise sein, doch Jennys Hintergrund als wissenschaftliche Laborassistentin, die mit Elektronenmikroskopen arbeitete und ihre Leidenschaft für Muster scheinen sie geradewegs zu dieser Kunstform geführt zu haben.

Später, während ihrer Zeit in Jerusalem, gab sie ihren ersten Unterricht. Sie hatte nie daran gedacht, einmal Quilten zu unterrichten. Sie zeigte damals nur einer Freundin ein paar ganz einfache Grundtechniken. Doch dann kam die Freundin in der nächsten Woche mit einer anderen Freundin und bald gab es regelmässige wöchentliche Treffen. In diesen Monaten schloss sie sich auch einer australisch-neuseeländischen Online-Quiltgruppe an, den Southern Cross Quilters. Sie schrieb ihnen Briefe über ihr Leben in Jerusalem und begann, diese Briefe in Form eines Quilts darzustellen.

Jenny kehrte nach Canberra, Australien zurück und begann, ihre Quilts auszustellen. Mit „Arabesque“ gewann sie gleich einen Preis. Er zeigt das Alltagsleben in Damaskus und unterstreicht durch die zeitintensiven Handapplikationen, wie die Menschen im Mittleren Osten ganz anders mit Zeit umgehen und sie grosszügig verschenken.

Jenny brachte sich das Freihandquilten selbst bei und ist fest davon überzeugt, dass jeder diese Technik erlernen sollte, bevor ihm eingeredet wird, es sei zu schwierig. Sie hat auch eine eigene Unterrichtsmethode entwickelt, wie man eine Fotografie einfach durch Nachfahren der Linien in einen originalgetreuen Quilt verwandeln kann. Seitdem gibt sie den beliebten Kurs „Images in Applique“.

Nach 4 Jahren in Ägypten begann Jenny mit einer Porträtserie ägyptischer Gesichter. Diese Menschen dort haben eine bewundernswerte Eigenschaft: sie nehmen das Leben so an wie es ist, ungeachtet seiner Schwierigkeiten oder seiner Komplexität oder selbst dessen Armut, die sie aushalten müssen. Etwas davon spiegelt sich in den Gesichtern wie z.B. bei „Hashim“ wider. Er ist Sicherheitsbeamter. Im Hochsommer besuchte Jenny die Stufenpyramide und liess ihre Besucher das Gelände allein erkunden, während sie nach einem luftigen Plätzchen im Schatten Ausschau hielt. Hashim sass dort auf einer Stufe und bot ihr Platz im Schatten an. Sie machte ein paar Aufnahmen von ihm und bekam später auch die Erlaubnis, sein Porträt als Quilt zu veröffentlichen. „Hashim“ gewann gleich den 1. Preis bei der Quiltshow in Canberra, Australien und ist momentan auf Tour, wo die besten Quilts grosser Quiltkünstler gezeigt werden.